{"id":39468,"date":"2026-03-24T09:38:56","date_gmt":"2026-03-23T23:38:56","guid":{"rendered":"https:\/\/bloeckerblog.com\/?page_id=39468"},"modified":"2026-03-24T09:40:38","modified_gmt":"2026-03-23T23:40:38","slug":"symbolik-der-wilden-schwaene-deutschstunde-s-lenz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bloeckerblog.com\/index.php\/symbolik-der-wilden-schwaene-deutschstunde-s-lenz\/","title":{"rendered":"Symbolik der wilden Schwaene &#8211; Deutschstunde (S. Lenz)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"488\" data-attachment-id=\"37821\" data-permalink=\"https:\/\/bloeckerblog.com\/img_6944-1\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?fit=2000%2C1500&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2000,1500\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPad (5th generation)&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1731249790&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;3.3&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;25&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.01&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"img_6944-1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?fit=650%2C488&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?resize=650%2C488&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-37821\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?resize=650%2C488&amp;ssl=1 650w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?w=1300&amp;ssl=1 1300w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/img_6944-1.jpg?w=1950&amp;ssl=1 1950w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Flower in my QLD backyard | Credit phb<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Seite ist gewidmet dem grossartigen Autor Siegfried Lenz, zu dessen Lesung ich einst ging im Schloss Bleckede an der Elbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es waren einige Avid Readers gekommen, und nach der Lesung blieb der Autor noch etwas laenger bei einem Glas Rotwein (oder kaltem Bier) und ging in einen Plauderton ueber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die gute Frage, was waere aus Ihnen geworden, wenn sie als Autor keine Leser gefunden haetten, antwortete der weltberuehmte Autor mit bescheidener Gelassenheit: Ich waere Deutschlehrer in einem kleinen Gymnasium auf dem Lande geworden, um den Kindern dort lesen und schreiben und Grammatik nahezubringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war so beeindruckt von dieser Antwort, dass ich spaeter keine Hemmungen hatte, im Fritz Reuter Gymnsaium in Dannenberg an der Elbe meinen Dienst anzutreten, als ich von der DHPS in Windhoek wieder in Deutschland ankam mit meiner damaligen Famile:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir hatten eine laengere Aus &#8211; Zeit genommen nach den ereignisreichen Jahren in Namibia (1988 &#8211; 1994), und waren 6 Monate mit Flieger und Zelt und Rucksack in Neuseelannd (North plus South Island) wandern gewesen. In Californien hatten wir dann 6 Wochen, um mit einem Alamo Rental Car die National Parks Bryce und Grand Canion und andere plus Arizona und Vegas zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere beiden Kinder haben in den Folgejahren oft betont: Die nach Namibia wohl zweitbeste Entscheidung, die Vater und Mutter je getroffen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Sinne: Viel Freude dabei, den Film und den Klassikerroman  Die Deutschstunde von Siegfried Lenz zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Siegfried Lenz: Deutschstunde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Maler Max, die Freuden der Pflicht und die wilden Schw\u00e4ne<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen an der Nordsee: Eine Bestandsaufnahme<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>P.H. Bloecker \u00b7 Burleigh Waters, Gold Coast \u00b7 M\u00e4rz 2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zogen einst f\u00fcnf wilde Schw\u00e4ne,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Schw\u00e4ne leuchtend wei\u00df und sch\u00f6n.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sing, sing, was geschah?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Keiner ward mehr gesehn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>I. Das Lied und die Landschaft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Lieder, die wissen mehr als ihre Zeilen verraten. Eines davon ist das alte Volkslied, das man im deutschen Norden kennt, bevor man seinen Titel nennt: Zogen einst f\u00fcnf wilde Schw\u00e4ne. F\u00fcnf Schw\u00e4ne, leuchtend wei\u00df und sch\u00f6n, ziehen fort. Und keiner ward mehr gesehn. Das ist alles. Keine Erkl\u00e4rung, keine Klage, kein Urteil. Nur die Bewegung in eine Richtung, von der es keine R\u00fcckkehr gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer einmal im Herbst an der Dithmarscher K\u00fcste bei B\u00fcsum gestanden hat \u2014 das Watt endlos grau vor sich, der Wind unnachgiebig, der Horizont ohne Versprechen \u2014, der versteht, dass diese Landschaft selbst ein solches Lied ist. Sie duldet keine Ausfl\u00fcchte. Sie fragt nach dem Wesentlichen. Und sie kennt die Schw\u00e4ne: Zugv\u00f6gel, die dem Norden gehorchen, nicht dem Staat. Die kommen und gehen nach einem Kompass, den kein Polizeiposten je registrieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier, in diesem rauen, flachen, erbarmungslos klaren Norden Schleswig-Holsteins, siedelt Siegfried Lenz seinen gro\u00dfen Roman an. Nicht zuf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>II. Der Roman \u2014 Rugb\u00fcll, 1943<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Freuden der Pflicht<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Freuden der Pflicht \u2014 dieser Aufsatztitel, den der W\u00e4rter dem zwanzigj\u00e4hrigen Siggi Jepsen in seiner Zelle aufzwingt, ist einer der bittersten S\u00e4tze der deutschen Nachkriegsliteratur. Er klingt nach Schulprogramm, nach staatsb\u00fcrgerlicher Erziehung, nach dem, was man von braven Deutschen erwartet. Und genau das ist er auch: ein Dokument der Kontinuit\u00e4t. Nicht die Nazis haben diesen Pflichtbegriff erfunden \u2014 aber sie haben ihn systematisch zur Vernichtungswaffe gemacht. Und nach 1945, so Lenz&#8217; unerbittliche Diagnose, ist er immer noch da. Ungebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Roman Deutschstunde, 1968 erschienen, bringt das zentrale Thema der deutschen Nachkriegsliteratur auf den Punkt: die Verquickung von Schuld und Pflicht in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt steht der Widerspruch von Pflichterf\u00fcllung und individueller Verantwortung. Lenz konstruiert ein ebenso einfaches wie ersch\u00fctterndes Dreieck: Jens Ole Jepsen, Dorfpolizist im fiktiven Rugb\u00fcll nahe der d\u00e4nischen Grenze; sein Jugendfreund, der Expressionist Max Ludwig Nansen; und Siggis Sohn, der zwischen beiden steht und am Ende beider Erbe tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Jens Ole Jepsen \u2014 der n\u00f6rdlichste Polizist des Reiches<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jens Ole Jepsen, getrieben von seiner unersch\u00fctterlichen Loyalit\u00e4t, sieht es als seine heilige Pflicht an, das Malverbot gegen Nansen durchzusetzen \u2014 selbst als dies seine Freundschaft und das Verh\u00e4ltnis zu seinem Sohn zerst\u00f6rt. Das Erschreckende dabei: Jepsen ist kein Monster. Er ist ein norddeutscher Beamter, der seinen Dienst tut. Und genau darin liegt das Grauen \u2014 in der Normalit\u00e4t des Gehorsams, die keine Ausnahme kennt und keine Gnade.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220;Wer seine Pflicht tut, hat keine Probleme.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Kriegsende, das Malverbot l\u00e4ngst aufgehoben, Nansen ein international anerkannter K\u00fcnstler, setzt Jens Jepsen seine \u00dcberwachung fort. Sein Grundsatz bleibt unersch\u00fctterlich. Max Nansen hingegen versteht seine Pflicht als innere \u00dcberzeugung \u2014 als Treue zu sich selbst und zur Kunst. Zwei Pflichtbegriffe, unvers\u00f6hnlich. Lenz gibt keinem von beiden eine einfache L\u00f6sung. Das ist seine St\u00e4rke.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Maler und die unsichtbaren Bilder<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Figur des Malers tr\u00e4gt unverkennbar die Z\u00fcge Emil Noldes. Der b\u00fcrgerliche Name Noldes war Emil Hansen \u2014 Nansen im Roman. Die Vornamen Max und Ludwig verweisen zus\u00e4tzlich auf Max Beckmann und Ernst Ludwig Kirchner, weitere expressionistische K\u00fcnstler, die im Dritten Reich verfolgt wurden. Lenz schuf damit eine literarische Verdichtung des verfolgten K\u00fcnstlers als Widerstandsfigur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nansens Antwort auf das Malverbot sind die unsichtbaren Bilder: Werke, die entstehen, obwohl sie nicht entstehen d\u00fcrfen. Kunst als Akt des reinen Seins, abseits jeder Genehmigung. Hier liegt die tiefste Parallele zum Lied von den wilden Schw\u00e4nen: Auch die Schw\u00e4ne fragen nicht, ob sie ziehen d\u00fcrfen. Sie ziehen. Nansen malt. Keiner ward mehr gesehn \u2014 aber die Bilder sind da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Roman ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Gewissen, die Eigenverantwortung und die kritische Hinterfragung von Autorit\u00e4ten. Lenz verdeutlicht, dass ein Verst\u00e4ndnis der Gegenwart erst durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>III. Klaas kommt nach Hause \u2014 der f\u00fcnfte Schwan<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zogen einst f\u00fcnf junge Hirten<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hirten M\u00e4dchen lieb und treu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sing, sing, was geschah?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Keine kam mehr neu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine Szene in der Deutschstunde, die man nicht vergisst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaas Jepsen, Siggis \u00e4lterer Bruder, kommt nach Hause. Er hat sich selbst in den Arm geschossen. Absichtlich. Um nicht mehr k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Um zu \u00fcberleben. Um zu desertieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist Selbstverst\u00fcmmelung als politischer Akt \u2014 eine der radikalsten Formen des Widerstands, die ein einzelner Mensch gegen einen Krieg aufbringen kann. Kein Manifest, keine Rede, kein Widerstandsnetzwerk. Nur ein Schuss in den eigenen Arm und die Entscheidung: Nicht mehr. Nicht f\u00fcr euch. Nicht f\u00fcr das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaas ist der f\u00fcnfte Schwan. Er hat den Zug gesp\u00fcrt \u2014 nicht nach S\u00fcden, sondern aus diesem Krieg heraus. Weg von der Front, weg von der Pflicht, weg von dem, was sein Vater f\u00fcr heilig h\u00e4lt. Er folgt einem inneren Kompass. Sein Vater hat diesen Kompass. Aber er hat ihn dem Dienst geopfert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8220;In sklavischer Pflichterf\u00fcllung liefert Vater Jepsen den Deserteur Klaas den Henkern aus.&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie reagiert Jens Ole Jepsen, der pflichtbewusste Vater, der norddeutsche Polizist, der Mann, der seinem Freund das Malverbot \u00fcberbracht hat ohne mit der Wimper zu zucken? Er zeigt seinen eigenen Sohn an. Er erf\u00fcllt seine Pflicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der Moment, in dem Lenz den Pflichtbegriff endg\u00fcltig entlarvt. Nicht als moralische Kategorie, sondern als Vernichtungsmechanismus \u2014 selbst gegen das eigene Fleisch und Blut. Jepsen empfindet dabei keine Tragik, keine Zerrissenheit, keine v\u00e4terliche Ersch\u00fctterung. Er hat seine Ordnung, und die Ordnung verlangt Meldung. Also meldet er.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Siggi in diesem Moment lernt, ist das Eigentliche: dass Liebe und Pflicht in der Welt seines Vaters keine Schnittmenge haben. Dass ein Mensch, der immer seine Pflicht tut, aufgeh\u00f6rt hat, ein Mensch zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wunde am Arm von Klaas und die unsichtbaren Bilder von Nansen geh\u00f6ren zusammen. Beides sind Akte des \u00dcberlebens gegen den Staat. Beides rettet Siggi \u2014 im Innern \u2014 mehr als die Pflicht je k\u00f6nnte. Klaas \u00fcberlebt den Krieg. Er wird Fotograf. Er fotografiert am Ende nur noch Tote. Auch das ist ein Bild, das Lenz uns hinterl\u00e4sst, ohne es zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>IV. Die wilden Schw\u00e4ne \u2014 Symbolik der Freiheit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zogen einst f\u00fcnf wilde Schw\u00e4ne,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Schw\u00e4ne leuchtend wei\u00df und sch\u00f6n.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sing, sing, was geschah?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Keiner ward mehr gesehn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wilden Schw\u00e4ne geh\u00f6ren zum \u00e4ltesten Symbolrepertoire des nordgermanischen und skandinavischen Kulturraums. Hier, an der Nordseek\u00fcste Schleswig-Holsteins \u2014 in eben der Landschaft, in der Lenz seinen Roman ansiedelt \u2014, sind Schw\u00e4ne nicht Dekoration, sondern Wesen des \u00dcbergangs. Sie kommen aus dem Norden, ziehen weiter, sind niemals sesshaft. Sie folgen keinem Staat, keiner Pflicht, keinem Verbot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hans Christian Andersens M\u00e4rchen Die wilden Schw\u00e4ne, im d\u00e4nisch-deutschen Grenzland bestens bekannt, erz\u00e4hlt von Prinzen, die in Schw\u00e4ne verwandelt wurden: sie k\u00f6nnen des Tages nicht sie selbst sein, nur nachts kehrt ihnen die menschliche Gestalt zur\u00fcck. Die Schwester rettet sie durch schweigendes Ausharren, durch Arbeit im Verborgenen, durch Widerstand ohne Sprache. Die Parallele zu Nansens unsichtbaren Bildern ist auff\u00e4llig: Kunst, die nicht gezeigt werden darf, die im Verborgenen entsteht, die trotzdem ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lenz setzt das Lied von den f\u00fcnf wilden Schw\u00e4nen als stummes Leitmotiv des Romans ein. Es erklingt nicht als Propagandalied, nicht als Marschlied, nicht als Befehlsform. Es erklingt in der Stille \u2014 als die, die fort sind, bereits gegangen sind. Als Erinnerung an das, was war und was nicht zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>F\u00fcnf Figuren \u2014 f\u00fcnf Schw\u00e4ne<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man darf das Lied nicht zu eng auslegen. Aber die F\u00fcnfzahl l\u00e4dt zur Spiegelung ein. In Rugb\u00fcll gibt es f\u00fcnf Figuren, die jeweils auf ihre Weise mit Freiheit, Gehorsam und Flucht zu tun haben:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nansen, der Maler: Er weigert sich zu verschwinden. Er bleibt \u2014 aber er malt im Verborgenen. Er ist der Schwan, der nicht wegzieht, sondern sich verwandelt, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaas, der Deserteur: Er zieht fort. Er schie\u00dft sich in den Arm, er desertiert, er \u00fcberlebt. Er ist der Schwan, der wirklich fliegt \u2014 und nicht mehr zur\u00fcckkommt in das, was seine Familie von ihm verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Siggi, der Junge: Er wird zwischen den anderen zerrieben. Er stiehlt die Bilder, weil er sie retten muss. Er landet in der Anstalt. Er ist der Schwan, der noch nicht fliegen kann \u2014 aber der wei\u00df, dass er fliegen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilke, die Schwester: Sie verl\u00e4sst Rugb\u00fcll ebenfalls. Lautlos, ohne Drama. Auch sie ein Schwan, der geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Jens Ole Jepsen: Er ist der einzige, der bleibt. Der einzige, der zur\u00fcckkommt \u2014 aus der englischen Gefangenschaft, auf seinen Posten, als w\u00e4re nichts gewesen. Er ist kein Schwan. Er ist der Deich, der die Schw\u00e4ne aufhalten will.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Lied als Urteil<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Volkslied f\u00e4llt kein Urteil. Es fragt nur: Sing, sing, was geschah? Und antwortet: Keiner ward mehr gesehn. Das ist keine Klage. Das ist Feststellung. Wer fliegt, fliegt. Wer bleibt, bleibt. Und die Geschichte entscheidet, wer recht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Rugb\u00fcll hat die Geschichte entschieden. Nansen wird international anerkannt. Klaas \u00fcberlebt. Siggi schreibt. Hilke geht. Und Jens Ole Jepsen kehrt auf seinen Posten zur\u00fcck \u2014 als w\u00e4re nichts gewesen. Pflicht ist Pflicht. Auch das ist eine Form von Keiner ward mehr gesehn: der moralische Verschwundene, der k\u00f6rperlich noch da ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>V. Die Nordsee als moralischer Raum<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum die Nordsee? Warum nicht das Ruhrgebiet, nicht Berlin, nicht Bayern?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil diese Landschaft keine Verstecke anbietet. B\u00fcsum, Rugb\u00fcll, Husum \u2014 das ist eine Welt ohne W\u00e4lder, in der man gesehen wird. In der das Licht flach und unerbittlich liegt. In der der Wind kein Schweigen duldet. Wenn man eine Seite von Lenz aufschl\u00e4gt, findet man S\u00e4tze wie: Unerleuchtet, mit herabgezogenen D\u00e4chern standen die Anwesen in der Dunkelheit. H\u00e4user sind auch nur Menschen. Diese Kurzschl\u00fcsse zwischen Landschaft und Seele \u2014 das ist Lenz&#8217; eigentliche Meisterschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dithmarscher K\u00fcste bei B\u00fcsum kennt dieses Klima: das Watt als Spiegel des Gewissens, der Deich als staatliche Ordnungsstruktur, das offene Meer als das Unkontrollierbare. Nansen malt das Unbeherrschbare \u2014 Licht, Farbe, das Irrationale der Natur. Jepsen soll es kontrollieren. Das ist der eigentliche Konflikt: nicht NS-Ideologie gegen Kunst, sondern Ordnung gegen Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und \u00fcber allem ziehen die Schw\u00e4ne. Sie interessiert kein Malverbot. Sie interessiert kein n\u00f6rdlichster Polizeiposten des Reiches. Sie fliegen, weil es ihre Natur ist zu fliegen. Das ist kein politisches Statement. Das ist Biologie. Und genau deshalb ist es so subversiv.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>VI. Der Film \u2014 Christian Schwochow, 2019<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christian Schwochow hat sich der Mammutaufgabe gestellt, eine aufwendige Kinoadaption des fast 600-seitigen Romans zu inszenieren \u2014 mit Ulrich Noethen als Jens Ole Jepsen, Tobias Moretti als Max Ludwig Nansen und dem jungen Levi Eisenbl\u00e4tter als Kind-Siggi.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis ist zwiesp\u00e4ltig \u2014 und produktiv zwiesp\u00e4ltig. Kameramann Frank Lamm kreiert von der ersten Szene am Nordseestrand Panoramen, die in ihrer rauen Sch\u00f6nheit keinen gr\u00f6\u00dferen Kontrast zu den Gr\u00e4ueltaten abgeben k\u00f6nnten. Diese Bilder sind das St\u00e4rkste am Film: die Nordsee als Zeugin, stumm und \u00fcberdauernd, gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber dem menschlichen Fanatismus, der sich unter ihr abspielt. Die Schw\u00e4ne fehlen im Film als explizites Motiv. Aber sie sind da \u2014 in jedem Horizont, \u00fcber dem ein Zugvogel verschwindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ulrich Noethen stellt den fanatisch dienstergebenen Jens Jepsen so unmittelbar dar, dass man sich fragt, ob hinter seiner Dienstfertigkeit au\u00dfer tiefsitzender Unsicherheit nicht vor allem Sadismus verbirgt. Das ist eine starke Lesart \u2014 m\u00f6glicherweise eine Spur zu explizit f\u00fcr einen Roman, der gerade in der Unlesbarkeit des B\u00f6sen seine Kraft entwickelt. Aber Noethen tr\u00e4gt den Film.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tobias Moretti als der starke, widerspenstige Nansen l\u00e4sst glaubhaft werden, was es bedeutet zu malen \u2014 und was es f\u00fcr alle Umstehenden bedeutet, wenn dieses Malen verboten wird. Er ist das moralische Zentrum des Films, wie Nansen das moralische Gravitationsfeld des Romans ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo Schwochow verliert, hat Lenz gewonnen: Im Roman erlebt man Siggis Gedanken aus erster Hand \u2014 seine komplexe Entwicklung ist der eigentliche Bildungsgang des Buches. Der Film verlagert den Schwerpunkt auf den Konflikt zwischen Vater und Maler. Was im Roman ein Entwicklungsroman ist, wird im Film zum Familiendrama. Beides hat sein Recht. Aber sie sind nicht dasselbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert auch die Entscheidung von Heide Schwochow, der Drehbuchautorin: Gudrun Jepsen wird im Film von der gl\u00fchenden Hitler-Verehrerin des Romans zu einer unterdr\u00fcckten, stillschweigend zweifelnden Frau. Auch das ist eine Lesart \u2014 aber eine mildere, eine die der Komplexit\u00e4t des Romans etwas von seinem Zahn nimmt. Im Roman ist Gudrun Teil des Mechanismus. Im Film ist sie sein Opfer. Das macht einen Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>VII. Die Freuden der Pflicht \u2014 heute<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Zogen einst f\u00fcnf wilde Schw\u00e4ne,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Schw\u00e4ne leuchtend wei\u00df und sch\u00f6n.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sing, sing, was geschah?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Keiner ward mehr gesehn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re bequem, die Deutschstunde als historisches Dokument abzuhaken \u2014 als Vergangenheitsbew\u00e4ltigung im besten Sinne. Aber die Freuden der Pflicht sind nicht verschwunden. Sie hei\u00dfen heute Compliance, Prozesskonformit\u00e4t, algorithmische Regelbefolgung. Der Apparat verlangt Gehorsam \u2014 und findet ihn. Die Frage, die Lenz stellt, ist zeitlos: Was bin ich bereit zu tun, weil es meine Pflicht ist? Und was verweigere ich, weil ich noch ein Ich habe?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaas Jepsen hat eine Antwort gew\u00e4hlt. Es hat ihn fast das Leben gekostet. Aber er ist gegangen \u2014 wie ein wilder Schwan, dem der Wind wichtiger ist als der Befehl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nansen hat eine andere Antwort gew\u00e4hlt. Er ist geblieben, aber unsichtbar geworden \u2014 seine Bilder entstanden im Verborgenen, in der Sprache, die kein Malverbot erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Siggi \u2014 Siggi schreibt. In einer Zelle. \u00dcber Die Freuden der Pflicht. Und schreibt dabei das Gegenteil davon: die Geschichte eines Lebens, das sich weigerte, still zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Lied von den wilden Schw\u00e4nen fragt: Sing, sing, was geschah? Und die Antwort ist: Keiner ward mehr gesehn. Was fortfliegt, kehrt nicht zur\u00fcck. Was sich weigert, verschwindet aus dem Sichtfeld der Ordnung. Aber es ist noch da. Irgendwo \u00fcber dem Watt. Irgendwo \u00fcber der Nordsee. Wei\u00df und sch\u00f6n und frei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Nordsee wei\u00df man: Der Deich h\u00e4lt nur so lange, wie das Meer das will. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Meer hat immer recht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>P.H. Bloecker \u00b7 <\/em>bloecker.wordpress.com    und    phbloecker.wordpress.com<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/phbloecker.wordpress.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Linked<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Burleigh Waters, Gold Coast, Queensland \u00b7 M\u00e4rz 2026<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"488\" data-attachment-id=\"38025\" data-permalink=\"https:\/\/bloeckerblog.com\/img_0753\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?fit=2560%2C1920&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1920\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;1.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 8&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1735650029&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;3.99&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;20&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0008130081300813&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"img_0753\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?fit=300%2C225&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?fit=650%2C488&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753.jpg?resize=650%2C488&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-38025\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?resize=2048%2C1536&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?resize=650%2C488&amp;ssl=1 650w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?w=1300&amp;ssl=1 1300w, https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/img_0753-scaled.jpg?w=1950&amp;ssl=1 1950w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><a href=\"https:\/\/bloecker.wordpress.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Credit phb<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">PS: Email aus Hamburg zitiert heute:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juni 1978, kurz nach der B\u00fcrgerschaftswahl in Hamburg, erh\u00e4lt Siegfried Lenz einen Anruf von Helmut Schmidt. Die beiden verbindet seit Mitte der Sechzigerjahre eine stabile Freundschaft, Lenz hatte Helmut Schmidt \u2013 wie auch schon Willy Brandt \u2013 auf Reisen nach Polen begleitet. Nun fragte der damalige Bundeskanzler den Schriftsteller, ob er nicht das Amt des Hamburger Kultursenators \u00fcbernehmen wolle.<br><br>Der Autor sagte ab, er begr\u00fcndete es so: \u00bbNicht der vorgestellte Wechsel einer Lebenslage f\u00fchrte zu dieser Entscheidung, nicht Anh\u00e4nglichkeit an vertraute Gewohnheiten und auch die Unwilligkeit nicht, \u00f6ffentliche Verantwortung zu \u00fcbernehmen; vielmehr habe ich schlie\u00dflich meiner \u00dcberzeugung nachgegeben, da\u00df ich all das, was zu tun ich f\u00fcr notwendig halte, eher mit den Mitteln des freien Schriftstellers als mit den M\u00f6glichkeiten eines Amtes erreichen m\u00f6chte.\u00ab Er glaube, dass ihm allein die Arbeit, f\u00fcr die er sich vor nahezu 30 Jahren entschieden hatte, entspricht. Diese Worte fand ich in einem Brief, den er am 10. Juni 1978 geschrieben hatte.<br><br>Bereits einige Jahre zuvor hatte Lenz in seiner Dankesrede beim renommierten Bremer Literaturpreis gesagt: \u00bbIch sch\u00e4tze nun einmal die Kunst, herauszufordern, nicht so hoch ein wie die Kunst, einen wirkungsvollen Pakt mit dem Leser herzustellen, um die bestehenden \u00dcbel zu verringern.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Seite ist gewidmet dem grossartigen Autor Siegfried Lenz, zu dessen Lesung ich einst ging im Schloss Bleckede an der Elbe. Es waren einige Avid Readers gekommen, und nach der Lesung blieb der Autor noch etwas laenger bei einem Glas Rotwein (oder kaltem Bier) und ging in einen Plauderton ueber. 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