{"id":31962,"date":"2021-11-24T10:08:46","date_gmt":"2021-11-24T00:08:46","guid":{"rendered":"https:\/\/bloeckerblog.com\/?page_id=31962"},"modified":"2022-10-09T06:24:16","modified_gmt":"2022-10-08T20:24:16","slug":"my-father-jdb","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bloeckerblog.com\/index.php\/my-father-jdb\/","title":{"rendered":"My Father JDB"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/jdb-dez441.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1427\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/jdb-dez441.jpg?resize=640%2C1083\" alt=\"JDB DEZ44\" width=\"640\" height=\"1083\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p><strong>Erinnerungen Johann D. Bloecker \u2013&nbsp;1933 bis 1947<\/strong><\/p>\n<p><em>Vorbemerkung<\/em><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch zwischen Vater und Sohn ist fiktiv.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte aber so oder \u00e4hnlich stattgefunden haben, h\u00e4tte ich mehr \u00fcber Traumata gewusst. Mein Vater Johann Detlef Bl\u00f6cker, geb. 1924 in Oldenborstel bei Schenefeld in Holstein, schrieb vor seinem Tod im Jahre 2000 seine Erinnerungen nieder und gab uns vier Kindern &nbsp;(mir in Brisbane) ein Exemplar (Selbstverlag).<\/p>\n<p>Ich verstand das damals als Auftrag, ihn nachtr\u00e4glich besser zu verstehen. Drei Monate nach seinem Besuch in Brisbane in Queensland Australien starb mein Vater bei Kiel in Schleswig &#8211; Holstein.<\/p>\n<p>Peter H Bl\u00f6cker am 09. Mai 2014<\/p>\n<p>1933<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2013<\/p>\n<p><strong><em>Kannst du dich an die \u201eMacht\u00fcbernahme\u201c durch Hitler erinnern?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Als die Nazis 1933 die Regierung \u00fcbernahmen, herbeigef\u00fchrt durch Volksentscheid, wollten sie nicht regieren, sie wollten die MACHT! Ihre bereits vorher klar formulierten Ziele sollten \u201emit Gewalt\u201c durchgesetzt werden, folglich nannten sie die Wende: \u201eMacht\u00fcbernahme\u201c! Damals war ich 8,5 Jahre alt und wohnte auf einem Ba\u00fcrnhof im Norden Deutschlands.<\/p>\n<p><strong><em>Wie haben Eltern und Gro\u00dfeltern reagiert?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Die Ansichten im Hause waren unterschiedlich: \u201eNu wart dat beter!\u201c h\u00f6rte ich mehrfach, Schweigen oder Stirnrunzeln nahm ich aber auch zur Kenntnis, wenn Besucher im Haus waren. Im Dorf wurde der Sieg der NSDAP mit einem Fackelzug gefeiert. Die Fackeln hatten wir in der Schule aus Torfsoden hergestellt, wie sie im Schulofen zum Heizen und Anfe\u00fcrn benutzt wurden, und anschlie\u00dfend mit Petroleum getr\u00e4nkt. \u00c4ltere Sch\u00fcler gaben uns dabei Anweisungen.<\/p>\n<p><strong><em>Wie reagierte euer Dorf?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Als der Zug vieler Dorfbewohner am Hof von Onkel X und Tante Y und Opa Z wendete, waren dort die T\u00fcren geschlossen. Niemand lie\u00df sich blicken.<\/p>\n<p><em><strong>Ich schlie\u00dfe daraus, dass eine Ablehnung der Nazis eher eine Ausnahme war!<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><em>Und dein Vater?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Mein Vater war PG gewesen, vor der Macht\u00fcbernahme jedoch wieder ausgetreten. Er hatte am Reichsparteitag in N\u00fcrnberg teilgenommen und seinen Tornister mit W\u00e4sche, Verpflegung und seiner Schlafdecke gepackt, das habe ich noch genau vor Augen. Der Massenaufmarsch vor dem F\u00fchrer hatte ihn zwar stark beeindruckt, aber trotzdem zog er sich sp\u00e4ter von allen Parteiaktivit\u00e4ten zur\u00fcck und trat sogar aus der Partei aus. Er hat nie mit mir \u00fcber die Gr\u00fcnde gesprochen. Allerdings folgte er allen Reden Hitlers an unserem ne\u00fcn \u201eVolksempf\u00e4nger\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Hatte deine Mutter eine Meinung zu den neuen Machthabern?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Sie nahm wenig Anteil am politischen Geschehen. Dennoch nahm sie an allen Aktivit\u00e4ten der Landfra\u00fcn teil, um in Gesellschaft zu sein.<\/p>\n<p><strong><em>Was \u00e4nderte sich f\u00fcr dich als Kind damals?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Bereits vor meinem 10. Geburtstag bettelte ich, ins \u201eJungvolk\u201c eintreten zu d\u00fcrfen: Sport und Spiel begeisterten mich ebenso wie die Gelegenheit, Haus und Hof verlassen zu k\u00f6nnen und Freunde aus den Nachbard\u00f6rfern zu finden. Besonders die Gel\u00e4ndespiele machten mir viel Spa\u00df, echtes Abente\u00fcr im Vergleich zum Alltag auf dem Hof! Sp\u00e4ter verlie\u00dfen wir dann auch unsere Gegend und fuhren ins Sommerlager an den Brahmsee und in zahlreiche norddeutsche St\u00e4dte und Kleinst\u00e4dte zu den \u201eReichsjugendwettk\u00e4mpfen\u201c. Das hat mir immer sehr gut gefallen, wir hatten viel Spa\u00df! In den Wettk\u00e4mpfen ging es f\u00fcr mich immer um Kameradschaft und Gerechtigkeit, das waren Werte, die ich als Junge sehr ernst nahm. Sp\u00e4ter las ich dann bei <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ernest_Hemingway\">Hemingway<\/a>:&nbsp;<em>\u201eNothing could be done against it: All a man can do is obey\u201c!<\/em><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Wie w\u00fcrdest du heute die Beziehung deiner Eltern einsch\u00e4tzen?<\/em><\/strong><em>\u2028<\/em><\/p>\n<p>Meine Mutter war f\u00fcr meinen Vater ohne Einschr\u00e4nkungen die richtige Frau. Sie hatten sehr jung geheiratet, wie es damals auf dem Lande \u00fcblich war, und bis zum Tode meiner Mutter waren sie einander sehr zugetan. Meine Mutter \u201estand ihren Mann\u201c in der Landwirtschaft, sowohl auf dem Felde als auch im Kuhstall, und im Haus hatte sie sowieso das Sagen, wenn es um Ordnung und um Sauberkeit ging.<\/p>\n<p>Samstags wurde grunds\u00e4tzlich der Hof gefegt und geharkt, selbst wenn wichtige Feld- und Erntearbeiten anstanden. Es hie\u00df, in den ersten Jahren sei es zu harten Auseinandersetzungen zwischen der noch r\u00fcstigen Altb\u00e4\u00fcrin und meiner jungen Mutter gekommen, was ich aus heutiger Sicht ziemlich normal finde! Meine Grossmutter war eine starke und sehr selbstbewusste Frau, deren Mann 1914 in den Krieg musste und 1918 schwerkrank heimkehrte. Sechs Jahre sp\u00e4ter starb er an den Kriegsfolgen, und meine Oma musste den Hof mehr oder weniger allein bew\u00e4ltigen. Nat\u00fcrlich st\u00f6rte meine junge Mutter, dass die alte B\u00e4\u00fcrin im Hause alles besser wusste und alles konnte. Wie gesagt, im Haus und im Garten war trotz der t\u00e4glichen Arbeiten auf dem Hof und im Feld alles tipptopp und \u201ein de Reeg\u201c . Unser Garten konnte sich sehen lassen, und selbst bei langen Tagesarbeiten auf dem Felde ging meine Mutter in \u201eihren\u201c Garten, um vor dem Schlafengehen noch eine Stunde dort zu arbeiten oder zu verbringen.<\/p>\n<p><strong><em>Ich entnehme deiner Beschreibung, dass du insgesamt eine gl\u00fcckliche Kindheit hattest und von den politischen Verh\u00e4ltnissen in Deutschland nicht viel mitbekommen hast.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das ist sicher richtig. Alles drehte sich im Hause um die Bew\u00e4ltigung der t\u00e4glich anfallenden Arbeiten: Meine Eltern standen um 4.00 Uhr in der Fr\u00fch auf, melkten und f\u00fctterten die K\u00fche, und nach einem zweiten Fr\u00fchst\u00fcck begann die t\u00e4gliche Arbeit, eben Routine je nach Jahreszeit, die sich bis in den fr\u00fchen Abend zog. Gegen 21.00 Uhr schlief jeder. Meine Mutter war \u00fcbrigens eine sehr f\u00e4hige Hausfrau und beherrschte alle Koch- und Backk\u00fcnste ihrer Zeit. Besonders gern probierte sie Ne\u00fcs aus, gekauft wurde sozusagen nichts. Sie beherrschte die ganze Palette der Vorratshaltung, was Einkochen, Schlachten, Wurstmachen und Verarbeitung anging. W\u00fcrste und Schinken hielten sich bis zum n\u00e4chsten Schlachtfest und von Gr\u00fctzwurst und Schwarzsa\u00fcr schw\u00e4rme ich noch heute! N\u00e4hen und Handarbeit waren nat\u00fcrlich Da\u00fcr\u00fcbungen, nicht nur an den langen Winterabenden. Wenn wir drei Kinder abends lasen oder spielten, war meine Mutter besch\u00e4ftigt mit H\u00e4keln, Sticken, N\u00e4hen, Stopfen von Str\u00fcmpfen, und das nat\u00fcrlich Abend f\u00fcr Abend. Was ich trotzdem erinnere: Wenn wir meinen Vater oder meine Mutter abends ansprachen oder Hilfe brauchten, hatten sie immer Zeit f\u00fcr uns. Trotz der vielen Arbeit gab es keine Hektik im Alltag, soweit ich mich erinnern kann. Alles ging ruhig seinen Gang.<\/p>\n<p><strong>1939 \u2014\u2014\u2013 <em>Wie entstand damals dein Wunsch, Lehrer zu werden statt den Hof zu \u00fcbernehmen? Du warst der \u00e4lteste und die \u00dcbernahme des Hofes war naheliegend wenn nicht sogar Pflicht.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eine \u201eh\u00f6here Schule\u201c in der N\u00e4he unseres Dorfes gab es damals nicht, insofern ist es klar, dass meine Eltern allein aus finanziellen Gr\u00fcnden keinen Mittelschul- oder Gymnasiumsbesuch in Erw\u00e4gung zogen. Obwohl wir alles zum Leben hatten, gab es wenig Bargeld, und das n\u00e4chste Jungengymnasium war mehr als 30 km entfernt. Die allgemeine Schulpflicht war f\u00fcr uns ab 1938 acht Jahre, danach gingen die Kinder \u201ein die Lehre\u201c und verlie\u00dfen ihr Dorf und ihr Elternhaus. \u00dcber eine Tante entstand die Idee, dass ich bei einem Schornsteinfeger in Dithmarschen in die Lehre gehen k\u00f6nnte. Im Hause wurde diskutiert, dass ich dann sp\u00e4ter als Meister einen \u201eprima Bontje\u201c h\u00e4tte : Schornsteinfeger w\u00fcrden gutes Geld machen und die Arbeit sei krisensicher! Mit meinem Vater radelte ich nach Dithmarschen zu einem&nbsp;Vorstellungsgespr\u00e4ch und einer schriftlichen Pr\u00fcfung vor Ort. Noch am gleichen Tag erhielt ich eine Zusage des Meisters, und meine Laufbahn schien besiegelt. Im Herbst 1938 ging jedoch ein Schreiben ein, dass der Meister einen Sch\u00fcler mit einem 9-j\u00e4hrigen Abschluss gefunden habe, der nach Lage der Dinge in allen Schulf\u00e4chern, besonders im Rechnen und in der Raumlehre, mehr zu bieten habe. Damit war ich aus dem Rennen. Ich erinnere noch den Kommentar meiner Mutter: \u201eWer wei\u00df, wof\u00fcr das gut ist!\u201c Das tr\u00f6stete mich&nbsp;nat\u00fcrlich. Um die Jahreswende musste mein Lehrer im Dorf Sch\u00fcler melden, die f\u00fcr die&nbsp;Lehrerausbildung geeignet waren. Er war durch und durch&nbsp;Nationalsozialist und so folgte er dem Auftrag und schlug mich vor. Meine&nbsp;Eltern waren einverstanden, denn die Kosten sollten vom Staat getragen&nbsp;werden. Im gleichen Jahr \u2013 ich war 14 Jahre alt \u2013 wurde ich f\u00fcr ein \u201eLandjahr\u201c&nbsp;angemeldet: Das bedeutete neun Monate Sonderf\u00f6rderung in einem Lager auf dem Lande. Der zust\u00e4ndige HJ \u2013 F\u00fchrer auf Kreisebene fuhr eines Tages vor, um sich den Kandidaten anzuscha\u00fcn. Er betonte den Einfluss der Landjahrerziehung f\u00fcr die Entwicklung eines Jungen vom Dorfe und meinte dann, im ne\u00fcn Staate m\u00fcssten t\u00fcchtige Jungen wichtige Aufgaben \u00fcbernehmen. \u201eDas muss der Junge selbst entscheiden\u201c, war die Antwort meines Vaters.<\/p>\n<p>Und ich wollte. Alles bisherigen Erlebnisse sprachen daf\u00fcr: Ein Lagerleben unter Gleichaltrigen, dies weit weg vom Dorf in einer unbekannten Gegend, dazu Lernen, Sport und Gel\u00e4ndespiele laut \u201eDienstplan\u201c \u2013 das war was f\u00fcr mich\u201c! Ich war bisher nicht \u00fcber Hamburg hinausgekommen, und dieses Mal ging es nach Schlesien! Im Landjahrlager Hohndorf in Schlesien wurde ich zum zweiten Mal f\u00fcr den&nbsp;Lehrerberuf vorgeschlagen, offenbar brauchte die Partei Nachwuchs, und entsprechend ihrer Ideologie wurden geeignete Bewerber auf dem Lande&nbsp;rekrutiert. Ich absolvierte eine Pr\u00fcfung, wurde dann zu einem Vorbereitungslehrgang&nbsp;geschickt und begann im Winter 1939\/40 die Ausbildung auf der Lehrerbildungsanstalt Petershagen in Westfalen. Inzwischen hatte der zweite Weltkrieg begonnen: Die Wehrmacht war in Polen einmarschiert. Ich fand das beunruhigend, doch besch\u00e4ftigten mich ganz andere Dinge, wir lebten in einer kleinen Welt. Ich denke gern an die Jahre dort zur\u00fcck, denn Lernen machte mir viel Freude, und aus einer kleinen Dorfschule kommend hatte ich viel nachzuholen. Besonders im Deutschen, in der Rechtschreibung und in der Grammatik hatte ich erhebliche L\u00fccken. Flei\u00df und Zielstrebigkeit waren besondere Tugenden, die ich ausbilden wollte und musste, um zu bestehen und klarzukommen, und zahlreiche Lehrer hier wurden meine Vorbilder. Ich hatte den Eindruck, richtig gute Lehrer vor mir zu haben \u2013 mir fehlte nat\u00fcrlich der Vergleich \u2013 und bem\u00fchte mich sehr, m\u00f6glichst viel von ihnen zu lernen.&nbsp;Besonders gefiel mir, dass wir nicht kaserniert waren und in der Regel keine&nbsp;milit\u00e4rischen Uniformen tragen mussten, wie die Lehrer sie trugen. Es reichte&nbsp;die HJ \u2013 Uniform w\u00e4hrend der Woche und am Sonntag durften wir unsere Zivilkleidung tragen. Ich fand hier viele gute Freunde und Gleichgesinnte. Mit einigen habe&nbsp;ich nach dem Krieg wieder Kontakt aufnehmen k\u00f6nnen, wurden wir doch alle Dorflehrer im norddeutschen Raum, und kaum jemand ging sp\u00e4ter in die&nbsp;Kleinst\u00e4dte Schleswig Holsteins. Ich erinnere mich besonders gern an die sch\u00f6ne Umgebung und an die Weser, wo wir im Sommer viel Zeit verbrachten und an warmen und hei\u00dfen Tagen schwimmen konnten. Das kannte ich kaum von zuhause. Wenn die Lastschiffe im Schritttempo stromauf fuhren, h\u00e4ngten wir uns an die Schiffe, um dann schneller mit der Str\u00f6mung wieder Richtung Meer zu schwimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/lajahr.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1417\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/lajahr.jpg?resize=640%2C1058\" alt=\"LaJahr\" width=\"640\" height=\"1058\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><em>Das klingt alles sehr idyllisch! Was habt ihr von der Terrorherrschaft der Nazis mitbekommen? Von den Verhaftungen politischer Gegner, von den Deportationen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Petershagen hatte eine j\u00fcdische Gemeinde. Die Synagoge dort wies Spuren von Gewaltanwendung auf, die uns an die Kristallnacht im Reich erinnerte. Nat\u00fcrlich sahen wir das und sprachen dar\u00fcber. Als ich 1940 nach Petershagen kam, waren die j\u00fcdischen M\u00e4nner bereits abgeholt worden. Hinter vorgehaltener Hand hiess es, sie w\u00fcrden in der R\u00fcstungsindustrie arbeiteten und in Lagern wohnen. Die Fra\u00fcn sah ich auf ihren Wegen zum Einkauf und vor den H\u00e4usern, wenn sie saubermachten. Die Kinder fuhren t\u00e4glich mit der Kleinbahn nach Minden zur Schule. Im zweiten und dritten Kriegsjahr waren auch die Fra\u00fcn mit im Zug nach Minden. Wie erz\u00e4hlt wurde, arbeiteten sie in den Werken, wo der \u201cFieseler Storch\u201d gebaut wurde, ein langsam fliegendes Flugzeug, das auf sehr kurzer Bahn starten und landen konnte. Juden durften im Zug nur stehen. So waren die Gesetze. Wie erlebten auf diesen Zugfahrten nach Minden und zur\u00fcck oft, dass ein Abteil leer war, doch im Gang dr\u00e4ngten sich j\u00fcdische Fahrg\u00e4ste, verunsichert und \u00e4ngstlich, so mein Eindruck. Wir \u201cbraunen Jungs\u201d, so nannte man uns in der Umgebung der Lehrerbildungsanstalt LBA , taten uns dann immer wieder zusammen und standen Schmiere, wenn der Schaffner vorbei war. Wir forderten die j\u00fcdischen Fahrg\u00e4ste auf, sich in den Abteilen zu setzen und gaben ihnen Signale, wenn der Schaffner zur\u00fcckkam. Das funktionierte immer ohne Probleme. In den beiden H\u00e4usern, in denen ich wohnte, wurde die \u201cSonderbehandlung\u201d der Juden abgelehnt. Ich h\u00f6rte immer wieder: Die sind wie du und ich, sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen! Der Dr. X war fr\u00fcher unser Hausarzt, ein netter Mann! Er war Offizier im Ersten Weltkrieg und wurde wegen Tapferkeit vor dem Feind mit dem EK 1 ausgezeichnet! Ich gehe davon aus, die meisten Menschen missbilligten die Anordnungen von oben. Wir wagten aber nicht, offen dar\u00fcber zu sprechen. Wir wussten genau, was passierte, wenn wir gegen die Anordnungen verstiessen: Man w\u00fcrde uns auch abholen und wir w\u00fcrden in den Lagern verschwinden. Als ich 1942 aus den Ferien nach Petershagen zur\u00fcckkehrte, waren die H\u00e4user der j\u00fcdischen Familien leer: Sie sind alle in den Lagern, hiess es.<\/p>\n<p>Ich erinnere genau die Sommerferien 1942. Ich kam zuhause an und war wie alle anderen von der Schulleitung aufgefordert worden, aus der Kirche auszutreten. K\u00fcnftige Erzieher h\u00e4tten nichts am Hut mit der christlichen Religion j\u00fcdischer Pr\u00e4gung. Mir war die Kirche nicht wichtig: Da hatte die ne\u00fc Erziehung ausserhalb des Elternhauses bereits Spuren hinterlassen. Ich brachte mein Anliegen vor, aber meine Mutter sch\u00fcttelte stumm den Kopf. Oma begann zu weinen. Ich sch\u00e4mte mich.\u2028Ich kehrte also ohne Kirchenaustritt nach Petershagen zur\u00fcck und stellte erleichtert fest, dass ich nicht der einzige war, der Mitglied der evangelischen Kirche blieb. Es wurde auch kein weiterer Druck auf uns ausge\u00fcbt, das Thema verschwand einfach von der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Auch die \u00f6ffentliche Hinrichtung eines jungen Polen habe ich ansehen m\u00fcssen, als eines Tages der Unterricht ausfiel, wir antreten mussten und Richtung Westen in den Wald marschierten. Wir erreichten eine Lichtung, auf der sich viele Menschen versammelt hatten. Er hatte ein Verh\u00e4ltnis mit einer jungen Frau begonnen, deren Mann an der Front in Russland war, hiess es. Ich konnte mittags nichts essen und musste mich \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><strong><em>Wie hast du die LBA in Erinnerung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In unserer Institution wurde viel f\u00fcr die k\u00fcnftigen Lehrer und Erzieher getan. Im Winter 1941\/42 fuhren wir nach Weihnachten in den Harz, wo wir in einem zweiw\u00f6chigen Lehrgang Skifahren lernten. In den letzten \u00dcbungstagen waren wir schon in der Lage, die Strecke Altenau \u2013 Brocken im Langlauf hin und zur\u00fcck zu bew\u00e4ltigen. Ein Jahr sp\u00e4ter folgte ein Skilehrgang in Imst in Tirol, der uns den Zugang zu weiteren Techniken erm\u00f6glichte. Mir gefielen die steilen Abfahrten und Spr\u00fcnge sehr, kannte ich sowas doch \u00fcberhaupt nicht aus meiner flachen Heimat. Im Sommer 1942 nahmen wir an einem Segelfluglehrgang in Barntrup bei Detmold teil und legten auf dem \u201cGleiter\u201d unsere A-Pr\u00fcfung ab. Der Erwerb des B-Scheines sollte anschliessend folgen. Kein Wunder, dass sich eine ganze Gruppe freiwillig zur Luftwaffe meldete. Ich war dabei, weil das Fliegen mir nie zuvor empfundene Gef\u00fchle der Freiheit vermittelte. Sowas hatte ich noch nie erlebt und meine Begeisterung war grenzenlos. Doch wurden wir nicht angenommen: G\u00f6rings Flieger brauchten zu dieser Zeit keinen Ersatz. Es gab 1943 bereits Engp\u00e4sse bei der Fertigung ne\u00fcr Maschinen, und die Luftwaffe litt bereits unter Spritmangel. Beim Wehrersatzamt in Minden wurde uns aber eine Alternative angeboten: Ein h\u00f6herer JF-F\u00fchrer und ein SS-Offizier warben f\u00fcr die Waffen-SS und stellten uns eine baldige Einberufung in Aussicht. Ich lehnte entschieden ab und begr\u00fcndete das mit meiner Ausbildung, die ich abzuschliessen h\u00e4tte, das w\u00fcrden auch meine Eltern von mir erwarten. Das wurde akzeptiert.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wollte wir 18-j\u00e4hrigen Studenten in den Krieg, weil wir glaubten, an der Front gebraucht zu werden. Das bezog sich besonders auf die Situation im Osten, wo die deutschen Truppen offensichtlich Nachschub und Verst\u00e4rkung brauchten. Wenn wir von den \u201cBlitzkriegen\u201d h\u00f6rten, kam uns schon mal der Gedanke, wir w\u00fcrden zu sp\u00e4t kommen, wir w\u00fcrden etwas vers\u00e4umen, wenn wir nur unsere Berufsausbildung im Blick hatten. In jenen Jahren h\u00e4tte ich mich gern bei der Kriegsmarine freiwillig gemeldet, aber mein Vater verweigerte die Zustimmung, und ohne seine Unterschrift war nichts zu machen. Ausserdem war er in Russland an der Front, f\u00fcr mich also nicht zu erreichen. Dann kam im Februar 1943 die Einberufung zum Heer. Bereitwillig folgten wir \u201cder Fahne ins Feld.\u201d Rund zwei Wochen lang wurden wir geschliffen, und zwar in einer Kaserne in Aachen, wo meine Freunde und ich \u2013 wir waren etwa 25 Kameraden aus Petershagen \u2013 erstmals mit den negativen Seiten der Kommissausbildung konfrontiert waren. Ein Gefreiter als Hilfsausbilder durfte uns \u201cAffe\u201d nennen, weil der Stahlhelm vielleicht nicht richtig sass. Oder wir wurden \u00fcber den Kasernenhof gejagt und mussten von der gegen\u00fcberliegenden Ma\u00fcr aus rufen: \u201cIch bin ein grosser Idiot\u201d! Der Vorgesetzte von der Gegenseite aus: \u201cLauter, ich kann nichts h\u00f6ren!\u201d Das ging so lange hin und her, wie es dem Vorgesetzten gefiel, ganz nach seiner Laune und seinem Ermessen! Ich fand das entw\u00fcrdigend und dachte an die sch\u00f6ne Zeit in Petershagen zur\u00fcck. \u201cMein Gott, was ist denn das !\u201d st\u00f6hnte abends ein guter Freund von mir. \u201cHier ist man ja weniger als ein Furz, der darf wenigstens noch stinken!\u201d Ich erinnere eine Situation im Pferdestall, den wir zum Appell vorbereitet hatten und der blitzblank sauber war. Als der Ausbilder in den Stall trat, fielen gerade frische Pferde\u00e4pfel ins Stroh, worauf dieser Mann einem Rekruten befahl, sie mit den Fingern aufzusammeln und zu entsorgen. Ich war schockiert. Da wir jung und sportlich waren, war die milit\u00e4rische Grundausbildung f\u00fcr uns kein Problem, im Gegenteil, wir erlebten sie \u00fcberwiegend als sportliche Herausforderung, Belastungen, die wir einfach so wegsteckten. Ausserdem kannten wir diese Art von Schleiferei und Schikane aus der Landjahrausbildung, und der Satz des Gr\u00f6faz \u201cHart wie Kruppstahl, z\u00e4h wie Leder und flink wie die Windhunde\u201d war uns nat\u00fcrlich bekannt. Vielleicht hat uns diese \u201cErziehung\u201d sp\u00e4ter an der Front tats\u00e4chlich das Leben gerettet!<\/p>\n<p><strong><em>Du warst vor deinem ersten Fronteinsatz noch in Frankreich, richtig?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Richtig, unsere weitere Ausbildung erfolgte in einer Kaserne in St. Etienne in Frankreich, wo wir gleichzeitig Rekruten und Besatzungssoldaten waren. Die Kaserne lag mitten in der Stadt. Klar war, dass die Bev\u00f6lkerung uns nicht mochte, wenn wir zackig und laut singend durch die Strassen marschierten, um das \u00dcbungsgel \u00e4nde ausserhalb der Stadt zu erreichen. Doch mir gefiel die Freizeit, wenn wir uns \u00fcberall in der Stadt bewegen konnten und in den Gesch\u00e4ften und L\u00e4den einkaufen konnten oder mit der Strassenbahn fuhren. Wir kehrten auch ein und trafen auf viele Menschen, die freundlich waren. Einige zeigten allerdings ganz offen ihre Ablehnung. Auch war die \u201cResistance\u201d in der Umgebung aktiv, und wir wurden gewarnt und auf die Gefahren hingewiesen. Gleise und Strommasten wurden auf dem Lande gesprengt und Sch\u00fcsse auf unsere Torwache fielen nachts. Per Fahrrad wurden wir meist nachts in \u201cJagdkommandos\u201d in alle Himmelsrichtungen geschickt und entfernten uns etwa 20 km von der Kaserne in gut ausger\u00fcsteten Gruppen, um die Gegend zu kontrollieren. Ich hatte aber nie \u201cFeindber\u00fchrung\u201d, dem Himmel sei Dank!<\/p>\n<p><strong><em>Vom Krieg selbst hast du bisher also nichts mitbekommen!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir konnten uns das Geschehen an der Front nat\u00fcrlich nicht vorstellen. Es gab in diesen f\u00fcr uns eher ruhigen Monaten auch Verletzte. Auf einem langen Marsch \u00fcber Land wurde \u201cFliegeralarm\u201d ge\u00fcbt. Alle Gewehre und die leichten Maschinengewehre (MG) waren mit Platzpatronen geladen und mussten auf dem Marsch \u201cgesichert\u201d getragen werden. Da der Sch\u00fctze sich das MG auf die Schulter legte, Lauf nach hinten, bewegte sich beim Marschieren die M\u00fcndung des MG direkt vor dem Kopfe des Hintermannes. Ein solches MG ging beim Marsch eines Tages los und jagte einem Soldaten den zersplitterten Holzpropfen in Stirnh\u00f6he gegen den Stahlhelm. Die Haut im Gesicht war gl\u00fccklicherweise nur angeritzt, doch war das Gesicht im Nu blutig und alle waren furchtbar erschrocken. Was eine Platzpatrone anrichten konnte, erfuhr ein Grenadier, der sein MG ungesichert in die Kaserne brachte und es forsch neben seinen K\u00f6rper auf den Boden stellte, als der entsprechende Befehl kam. Die gesamte Ladung drang dem Sch\u00fctzen in die Achsel, weil er seine Meldung \u201cLauf frei\u201d ohne Kontrolle abgegeben hatte. Neben seiner schweren Verletzung folgte dann auch noch eine Untersuchung wegen Verdachts auf Selbstverst\u00fcmmelung. Unf \u00e4lle beim Handgranatenwerfen und beim Scharfschiessen blieben nur deshalb ohne Folgen, weil unsere aufmerksamen Ausbilder blitzschnell reagierten.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Grundausbildung wurden die meisten Soldaten nach Griechenland und Jugoslawien verlegt. Wir blieben zur\u00fcck in der Kaserne und begannen eine dreimonatige Ausbildung als Reserveoffiziersbewerber (ROB). Vorweg erfolgte ein schriftliches Examen und eine Pr\u00fcfung im Gel\u00e4nde, in beiden Bereichen konnte man aber nicht durchfallen. F\u00fcr diesen Lehrgang waren wir ausgew\u00e4hlt worden aufgrund unserer Vorgeschichte und der Lehrerausbildung. Offenbar brauchte das Heer an der Front dringend Ersatz, und wir sollten die L\u00fccken f\u00fcllen. Positiv war f\u00fcr uns, dass wir auf diese Weise nicht unvorbereitet in den Krieg zogen. Vielleicht half uns das sp\u00e4ter in Russland zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&nbsp;<a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/jdb5.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1416\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/jdb5.jpg?resize=640%2C813\" alt=\"JDB5\" width=\"640\" height=\"813\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/jdb2.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1414\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/jdb2.jpg?resize=640%2C995\" alt=\"JDB2\" width=\"640\" height=\"995\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><em>Und dann ging es tats\u00e4chlich an die Front nach Russland!!!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In der Tat. Ende 1943 ging es nach 14 Tagen Urlaub von Kassel aus an die Ostfront zur \u201cFrontbew \u00e4hrung\u201d, wie das damals hiess. Vor meiner Abreise hatte ich nach einem furchtbaren Luftangriff auf die Stadt italienische Kriegsgefangene \u2013 sie waren nach dem Badoglio-Putsch entwaffnet worden \u2013 zu Aufr\u00e4umungsarbeiten in das zerst\u00f6rte Industriegebiet zu f\u00fchren, wo die weitere Produktion von Kunstfaser wieder anlaufen sollte. Rund ein Dutzend RO-Bewerber reisten dann ohne mich ab, da ein nachgeschicktes Telegramm aus S\u00fcdfrankreich mich zwang, wegen Diphtherieverdacht ins Lazarett zu gehen. Erst nach einer mehrw\u00f6chigen Untersuchungsreihe wurde ich gesund entlassen und reiste als Einzelreisender an die Ostfront, wo ich meine Truppe im S\u00fcdabschnitt aufsuchen sollte. Meine Marschpapiere f\u00fchrten mich \u00fcber Warschau und Brest-Litowsk von Frontleitstelle zu Frontleitstelle in Richtung Kiew. Doch bevor ich die alte ukrainische Hauptstadt erreichte, hatten die Sowjets die Verschiebebahnh\u00f6fe Kasatin und Fastow \u00fcberrrant. Eine Umleitung gab es nicht. Unser Zug musste mit zahlreichen anderen Z\u00fcgen zur\u00fcck nach Westen, um zu retten was zu retten war. Dann fuhr der Fronturlauberzug, mit dem ich unterwegs war, \u00fcber Schitomir und Berditschef nach Odessa.<\/p>\n<p>In diesen Tagen fiel Kiew in russische H\u00e4nde. Ich war mittlerweile drei Wochen unterwegs und immer noch nicht an der Front angekommen. Die Hauptversorgung Richtung grosses Dnjeprknie mit Kriwoi Rog und Nikopol war unterbrochen, eine Katastrophe f\u00fcr die ganze S\u00fcdfront. Von Odessa aus fehlte eine Bahnstrecke an der K\u00fcste entlang nach Nikolajew und Cherson. Deshalb transportierte man uns mit Lastwagen auf schnee- und eisglatten Wegen weiter, von immer ne\u00fcn Verz\u00f6gerungen unterbrochen. Vom \u00f6stlichen Bug aus ging es schliesslich mit der Eisenbahn nach Alexandrowka, ein St\u00e4dtchen westlich des unteren Dnjepr. Ich hatte inzwischen einen Eindruck bekommen von der &nbsp;\u00e4usserst schwierigen Nachschubproblematik an der Ostfront in Russland. Ich sollte in den Br\u00fcckenkopf Nikopol zur 9. ID Infantriedivision. Das Land lag unter einer Schneedecke von ca. 30 cm, und mit Lastwagen und Schlitten wurde die Wegstrecke bis zum mehrere hundert Meter breiten Dnjeprstrom zur\u00fcckgelegt, wo eine Autof\u00e4hre wartete. Die letzten Kilometer im etwa 100 km langen und nur 10-15 km tiefen Br\u00fcckenkopf ostw\u00e4rts des Flusses schaffte ich schliesslich mit unserem Essenfahrzeug, das die warme Abendverpflegung und die Kaltverpflegung des kommenden Tages w \u00e4hred der Dunkelheit bis kurz vor die Hauptkampflinie (HKL) zu den St\u00fctzpunkten brachte. Ich hatte mich im Kompaniegefechtsstand zu melden, den der Fahrer direkt anfuhr. Am St\u00fctzpunkt davor wurde ein Gefallener aufs Fahrzeug gelegt, der hinge beim Tross bestattet werden sollte. Neben dem Toten sass ich nun im Schlitten und sah ihm ins Gesicht, wenn eine Leuchtrakete ein flackerndes fahles Licht auf die Schneefl\u00e4che warf, und macht mir so meine Gedanken. Der Gefallene neben mir liess mich wiederholt fr\u00f6steln, aber es war nicht die K\u00e4lte von Minus 10 Grad. Ich musste \u201cmannhaft\u201d sein, der ROB-Gefreite hatte \u201cHaltung zu bewahren\u201d, so war es uns anerzogen worden. Doch die N\u00e4he des Toten, meine erste Begegnung mit einem toten Soldaten, das hatte uns keiner vermitteln k\u00f6nnen, darauf hatte uns keiner vorbereitet. Ich weiss noch, dass ich mich mit den Gegebenheiten abfand. H\u00e4tte man mich gefragt, ob ich lieber umkehren w\u00fcrde angesichts der N\u00e4he der Front, h\u00e4tte ich vermutlich verneint, ich wollte kein Feigling sein. Aber mich fragte nat\u00fcrlich keiner, diese Frage stellte sich \u00fcberhaupt nicht. Ich glaubte hier mithelfen zu m\u00fcssen, mich bew\u00e4hren zu m\u00fcssen, ein Mann zu werden, so war uns das vermittelt worden und ich glaubte daran. Der Krieg musste m\u00f6glichst schnell zu einem Ende kommen, und ich wollte dabei sein. Mit den Essenholern ging ich nach vorn und durfte mich bis Weihnachten in den H\u00e4usern und Bunkern des Kompanietrupps an die N\u00e4he der Front gew\u00f6hnen. Und die lag in einem kleinen Steppendorf. Hier h\u00f6rte man das Rumoren der nahen Front permanent, und die russische Artillerie schickte t\u00e4glich ihre Gr\u00fc\u00dfe ins Dorf. Irgendwo brannte es immer. Dann waren einzelne Soldaten unterwegs, um Balkenholz der Dachst\u00fchle zu bergen, denn das war das einzige Brenn- und Nutzholz draussen in den Stellungen. Es gab hier in der Ukraine keine W\u00e4lder. Brennmaterial im eisigen Winter der Steppe war rar und kostbar. In diesen Wochen hatte ich erneut eine Krankheit zu bew\u00e4ltigen, dieses Mal Mumps. Nach meiner Genesung wurde ich einer Gruppe zugeteilt, die ein schweres Maschinengewehr bedienten (SMG), insgesamt waren wir f\u00fcnf M\u00e4nner. Wir waren einer Sch\u00fctzenkompanie unterstellt. Diese hatte in rund sechs Wochen eine winterfeste Stellung mit einem ger\u00e4umigen Bunker gebaut, der mit einer gut einen Meter dicken Erdschicht gesichert war. Es gab einen Esstisch mit Hockern rundum und eine etwa 70 cm \u00fcber der Sohle belassene Schlafpritsche f\u00fcr zehn Personen. Bei Einbruch der Dunkelheit sorgte ein kleiner Kanonenofen f\u00fcr eine angenehme W\u00e4rme. Wegen des Rauches durfte aber tags\u00fcber nicht geheizt werden. Eine durchgehende Hauptkampflinie war nicht vorhanden; die einzelnen Einheiten bildeten St\u00fctzpunktem die auch rundum verteidigt werden konnten. Unsere beiden SMG lagen am linken und und am rechten rand des \u201cIgels\u201d. Der Verbindungsgarben zwischen den beiden MG war so tief, dass ein grosser mann ihn aufrecht begehen konnte, ohne gesehen zu werden. Die M\u00e4nner hatten viel Arbeit in diese Anlage gesteckt, sie hatten geschuftet wie die \u201cBerserker\u201d. Unser Gruppenf\u00fchrer war nicht gerade ein Vorbild f\u00fcr mich und entsprach gar nicht meinen Erwartungen. Im Zivilberuf Sch \u00e4fer war er \u00fcber Jahre in den H\u00f6hen des Westerwalds Chefputzer, und erst mit seiner Bef\u00f6rderung zum Unteroffizier musste er sich der k\u00e4mpfenden Truppe anschliessen. Hinter vorbehaltener Hand hiess es, er sei im Suff bef\u00f6rdert worden und niemand habe dabei daran gedacht, dass er seinen Posten verlassen w\u00fcrde und an der Front eingesetzt werden k\u00f6nnte. Bereits bei der ersten Begr\u00fc\u00dfung wurde ich auf den Arm genommen: \u201cLehrer werden? Na, das sagt ja alles!\u201d Und es folgten zwei Schulmeisterwitze, die unter der G\u00fcrtellinie lagen. Die meisten Soldaten an den den Schweren Maschinengewehren hatten wenig Fronterfahrung, einige hatten jedoch den Kaukasusfeldzug miterlebt und \u00fcberlebt und wussten einiges zu berichten. Drei M\u00e4nner aus dem Siegerland und dem Westerwald respektierte ich besonders, tapfere und erfahrene Soldaten, darunter ein Feldwebel als Zugf\u00fchrer. Die Mehrheit der M\u00e4nner war als Ersatz in die dezimierte Kompanie gelangt, um den Br\u00fcckenkopf zu st\u00e4rken. In meiner Gruppe waren zwei magenkranke Soldaten, was ich ihnen im Gesicht ansehen konnte. Besonders lebhaft erinnre ich mich an einen Gefreiten, der als Sch\u00fctze 1 in meinem \u201cGewehr\u201d eingesetzt war. Er ass wie ein Scheunendrescher und hatte sich \u00fcber Silvester eine Teufelsgeige gebaut, die er so perfekt beherrschte, dass er im heutigen Fernsehen als Heino h\u00e4tte auftreten k\u00f6nnnen. Er sang auch vergleichbar gut und kannte viele Texte auswendig. Was aber nicht gut ankam waren seine dummen Kommentare nach dem Essen: \u201cHoffentlich muss ich nun nicht raus und hole mir bei vollem Magen einen Bauchschuss!\u201d Unser Gruppenf\u00fchrer verliess den Bunker kaum: \u201cWar lange genug mit meinen Schafen draussen, jetzt geniesse ich das Innenleben!\u201d war sein Standardspruch. Er war Nichtraucher und tauschte gern seine Rauchwaren gegen S\u00fc\u00dfigkeiten ein, die wir um Weihnachten und Silvester herum in ausreichender Weise auch aus der Heimat zugestellt bekamen. Ich sehe noch vor mir, wie er hinter dem Ofen die S\u00fc\u00dfigkeiten f\u00fcr seine Frau einpackte und nach Hause schickte, was mich r\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sah so ein Stellungskrieg aus?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der ersch\u00f6pfte sich in beiderseitigem Schusswechsel, wenn ein Ziel ausgemacht war. Die Russen hatten Scharfsch\u00fctzen eingesetzt. Die f\u00fcrchteten wir besonders, denn wenn man seinen Kopf bei der Wache zu sehr \u00fcber die Deckung hob, war man Zielscheibe. Wir hatten bereits einen Toten mit Kopfschuss in unserer Stellung. Wachposten am MG duften nicht zu lange am \u201cGewehrtisch\u201d stehen, denn auch nachts wurde gelegentlich \u201cblind\u201d auf einen m\u00f6glichen Standplatz unseres Postens geschossen, wobei am Tage zuvor die Position bestimmt worden war. Diese Erfahrungen hatten unsere Soldaten gemacht und gaben sie an uns weiter. Bei einem Schneegest\u00f6ber hatte ich zu lange auf das verschwimmende Grau gestarrt, als ein Geschoss dicht an meinem Kopf vorbei hinter mir in die Deckung einschlug. Immer wieder schlugen Granaten und Artilleriegeschosse auf unserem St\u00fctzpunkt ein, doch war das nicht gef\u00e4hrlich, solange sie nicht die Stellung direkt trafen. Nachts kam gelegentlich ein gut gepanzerter Doppeldecker heran, den wir \u201cN \u00e4hmaschine\u201d nannten. Die Besatzung warf in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Bomben auf unseren Abschnitt. Als Neuling gab ich ein paar gut gezielte Sch\u00fcsse mit meinem Karabiner ab, als die Maschine in einer mondhellen Nacht etwa 300 Meter hoch von Osten her n\u00e4herkam. Ich benutzte Leuchtspurmunition, um eine Schusskorrektur vornehmen zu k\u00f6nnen, und gab z\u00fcgig hintereinander Schuss f\u00fcr Schuss ab, bis ein deutlich vernehmbarer Treffer auf Metall zu h\u00f6ren war. Der Motor setzte aus, das Flugzeug machte eine scharfe Wendung nach unten, was ich als Absturz deutete. Ich vernahm ein lauter werdendes Rauschen, das in ein Pfeifen \u00fcberging. Intuitiv ging ich gerade noch rechtzeitig in Deckung, als es f\u00fcrchterlich krachte. Der Motor sprang wieder an, und das Flugzeug entfernte sich Richtung Osten. Ich hatte den Fehler gemacht, unsere Position zu verraten. Die Bombe riss einen beachtlichen Trichter in den frostharten Boden genau zwischen MG-Stellung und Bunker. Meine Kameraden fluchten zurecht \u00fcber mein Verhalten, wussten allerdings, dass mit die Erfahrung fehlte. Die Maschine kam immer wieder und die Besatzung warf viele kleine Sprengbomben auf Verdacht, teilweise mit der Hand direkt aus dem Flugzeug. Sehr wirkungsvoll und f\u00fcr uns gef\u00e4hrlich. Ich war zu einem Zeitpunkt an die Ostfront geschickt worden \u2013 vier volle Kriegsjahre waren vergangen \u2013 als unsere 9. ID eine der 10 Divisionen war, die eine 120 Kilometer lange Sehnenstellung ostw\u00e4rts des Dnjepr gegen eine grosse \u00dcbermacht zu halten hatte. Auch der Gegner hatte nur St\u00fctzpunkte, keinen durchgehenden verbindenden Graben. Wir wussten von der geschw\u00e4chten 24. Panzerdivision, die als einzige Reserve im Hinterland stand. Wie die Gesamtsituation an der Ostfront insgesamt aussah, wussten wir \u00fcberhaupt nicht, hofften nur, dass die St\u00e4be sich Gedanken machten und wussten, was sie taten.<\/p>\n<p><strong><em>Ihr hattet also insgesamt den Eindruck, euer Einsatz vor Ort war sinnvoll? Unglaublich! Ich kann es wirklich nicht fassen &#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Grunde stellte sich diese Frage nicht. Wir hatten keinerlei Einblick in die allgemeine Weltlage, und auf den Krieg bezogen hofften wir nur, dass wir das Ende erleben w\u00fcrden. Es ging t\u00e4glich darum, den kommenden Tag zu erleben. Ein R\u00fcckzug war nicht m\u00f6glich. Wir waren alle aufeinander angewiesen, und niemand dachte daran aufzugegeben. Es hiess einfach nur aushalten und nicht aufgeben und nicht sterben. Hattet ihr Informationen \u00fcber die Gesamtlage vor Ort?\u2028\u2028Mir war bekannt, dass der Br\u00fcckenkopf nicht nur sowjetische Streitk\u00f6pfe band. Wir waren auch vor Ort, um die Mangan- und Nickelgruben von Nikopol auszubeuten. Unsere R\u00fcstungsindustrie brauchte diese Bodensch\u00e4tze dringend, und das besetzte Gebiet sollte als Sprungbrett f\u00fcr einen ne\u00fcn Vorstoss im S\u00fcdabschnitt nach Osten dienen, wenn das Ostheer wieder offensiv werden konnte. Hitler hatte das industriell so wertvolle Donezbecken im Blick, das beim R\u00fcckzug 1943 verlorengegangen war. F\u00fchrer aller Kampfverb\u00e4nde unseres Br\u00fcckenkopfes war General Sch\u00f6rner, ein Gebirgsj\u00e4ger und sehr tapferer Mann, der im ersten Weltkrieg mit dem \u201cPour le \u2026\u201d ausgezeichnet worden war. Er galt als \u201cSteher\u201d und hatte deshalb auch das Kommando an so exponierter Stelle erhalten. Der General war umstritten wegen seiner H\u00e4rte und seiner Unberechenbarkeit: Einmal bef\u00f6rderte er einen Obergefreiten aus einer bestimmten Situation heraus zum Feldwebel, ein andermal degradierte er einen Oberfeldwebel zum gemeinen Soldaten. Er war folglich gef\u00fcrchtet, aber auch hochangesehen. Seine M\u00e4nner wussten, dass sie sich auf ihn verlassen konnten. Und das sollten wir auch erfahren. Frontbew \u00e4hrung betraf nicht nur meine Person als RO-Bewerber, sondern auch dir mir unterstellten Soldaten. \u201cBl\u00f6cker geht auf Sp\u00e4htrupp\u201d \u2013 wenn dieser Befehl kam, murrten meine M\u00e4nner, denn sie mussten mit. Ich hatte ihnen das eingebrockt, denn ich wollte ja bef\u00f6rdert werden, so die Gedanken. In unserer \u201cschweren Kompanie\u201d ging normalerweise niemand \u201cauf Sp\u00e4htrupp\u201d, das war Sache der Sch\u00fctzenkompanien. Ende Januar schlug das Wetter um. Statt Da\u00fcrfrost gab es Tauwetter, ein erheblicher Temperaturanstieg mit einer W\u00e4rme von fast 10 Grad \u00fcber Null. Die alten Hasen wussten, die richtige Zeit f\u00fcr eine Offensive der Russen: Sie w\u00fcrden versuchen, unseren Br\u00fcckenkopf abzuschneiden. Ich hatte mich gerade frisch rasiert, weil ich mich beim Chef der Sch\u00fctzenkompanie melden sollte, um einen Anpfiff einzustecken. Gerade hatte ich ein Viertel meines Kaffeewassers f\u00fcr die Rasur abgezweigt und war dabei, mein Gesicht einzupinseln, als ein Melder den Bescheid brachte: \u201cUm x Uhr am sp\u00e4ten Abend am Ostrand des Dorfes sammeln! Absetzbewegung Richtung Lepeticha!\u201d Das hiess R\u00e4umung des Br\u00fcckenkopfes. Sehr schnell war alles gepackt, und wenig sp\u00e4ter war die R\u00e4umung der gesamten Stellung vorbereitet. Ein alter Hase pr\u00e4parierte am Bunkereingang eine Handgranate mittels eines Drahtes derart, dass nachr\u00fcckende Feinde eine Explosion ausl\u00f6sen w\u00fcrden, sollten sie die T\u00fcr zum Bunker unvorsichtig \u00f6ffnen. Beide \u201cGewehre\u201d waren p\u00fcnktlich am Sammelplatz und warteten auf den Gruppenf\u00fchrer. Fahrzeuge und schwere Waffen rollten z\u00fcgig vorbei, Marschkolonnen in langen Reihen folgten und ordneten sich ein. Schmelzwasser und Schlamm reichten bis zum Knie. Zum Gl\u00fcck war der Boden in der Tiefe noch gefroren, er w\u00e4re sonst grundlos gewesen. Wir bewegten uns bald in einer von Fahrzeugr\u00e4dern durchimxten dicken Schlammbr\u00fche m\u00fchsam vorw\u00e4rts. Wer seitlich des Weges marschierte, qu\u00e4lte sich durch z\u00e4hen Schlamm. Die ber\u00fcchtigte \u201cRasputiza\u201d (Tauwetter und Fr\u00fchjahrsschlamm) hielt uns fest und behinderte unseren R\u00fcckzug. Das galt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Feind hinter uns. Mein Gruppenf\u00fchrer setzte sich ab, er sei unabk\u00f6mmlich, und befahlt mir, die Gruppe zu \u00fcbernehmen. Die finstere Nacht, kein Mondlicht, beg\u00fcnstigte unsere Absetzbewegung. Hinter uns wurde geschossen, die Nachhut tat ihre Pflicht und hielt den Feind aus. Doch die 15 km bis zum Dnjepr sollten zum Alptraum werden.<\/p>\n<p>Bereits nach wenigen Kilometern begannen meine Stiefel sich aufzul\u00f6sen. Dann ein Ruf von hinten: \u201cIch kann nicht mehr!\u201d Einer der beiden Magenkranken.<\/p>\n<p>Zun \u00e4chst reichte Ermunterung, dann \u00fcbernahm jemand sein Gewehr. Schliesslich musste er untergehakt und mitgeschleift werden. Endlich gelang es uns, ihn auf einen Panjewagen zu laden. Kaum war das geschehen, meldete sich der n \u00e4chste Fusskranke! Auch den vermochte ich nach einigen vergeblichen Versuchen auf ein Fahrzeug zu wuchten.<\/p>\n<p>Mittlerweile lief ich auf Socken, die Sohlen waren abgefallen. Stunde um Stunde verrann, von beiden Seiten stiessen Kolonnen dazu, ein richtiger Schlamassel. Alles dr \u00e4ngte zusammen, weil es hier nur eine \u00dcbersetzstelle gab. \u00dcberholversuche von marschierenden Gruppen und von Fahrzeugen aller Art waren an der Tagesordnung. Wir mussten vor Tagesanbruch auf der anderen Flussseite sein. Wer weiss, was uns morgen in der Fr\u00fche am Ostufer des Flusses erwartet, so dachte wohl jeder.<\/p>\n<p>Ich hatte meine beiden Gruppen l \u00e4ngst verloren, lag ich auf dem Marsch doch zwischen den Pferden eines \u00fcberholenden Trainwagens im tiefen Dreck. H \u00e4tten Fahrer und Beifahrer mein Schreien und das Erschrecken der Pferde nicht bemerkt, h \u00e4tte das b\u00f6se f\u00fcr mich ausgehen k\u00f6nnen. Ich h \u00e4ngte mich an eine Gruppe Infanteristen und fuhr mit dieser in einem Sturmboot bei einbrechender Dunkelheit \u00fcber den Strom. Hinter uns noch endlose Schlangen gemischter Verb \u00e4nde. Das hohe Westufer bedeutete Sicherheit!<\/p>\n<p>In Bolschaja Lepeticha, ein grosses Steppendorf, herrschte ein unbeschreibliches Durcheinander: Panzer, Gesch\u00fctze, Ketten- und Radfahrzeuge aller Art, dazu pferdebespannte Wagen der Trosse und immer wieder marschierende Einheiten und Gruppen sowie Einzelpersonen, die bem\u00fcht waren, wieder Anschluss zu finden. Das alles auf total aufgeweichten, schlammigen Wegen. Hier im Ort lagen Bretter vor den H \u00e4usern, die zuliessen, dass man ungehindert vorankam.<\/p>\n<p>Ich hatte zwei Anliegen: Wo gab es festes Schuhzeug? Und wo waren meine M \u00e4nner, lag die Truppe? Bald hatte ich Knobelbecher an den F\u00fcssen, und nach einigem Hin und Her war eine Hinweistafel gefunden, die die Marschrichtung meines Bataillons anzeigte. Ein Feldgendarm an einer Weggabel nannte das Nachbardorf, wo sich u.a. die 4. Kompanie sammelte. Am fr\u00fchen Nachmittag waren alle wieder zusammen. Wir reinigten Waffen, Ger \u00e4t und Kleidung und empfingen unsere Essensrationen. Der Unteroffizier warf mir totales Versagen vor, weil ich die Gruppe nicht geschlossen zur\u00fcckgef\u00fchrt hatte, aus seiner Sicht wohl richtig. Er liess meine Rechtfertigung, dass hilflosen M \u00e4nnern unterwegs geholfen werden musste, nicht gelten\u2026und endete schliesslich mit den Worten: \u201cHalten Sie die Klappe, Sie Feigling!\u201d Das war nat\u00fcrlich zu viel, das brauchte man sich selbst beim Kommiss nicht sagen zu lassen. Ich nahm mein Gewehr und sagte, dass ich mich beim Zugf\u00fchrer und beim Chef beschweren und um Versetzung in eine andere Gruppe bitten w\u00fcrde. Er wollte mich zur\u00fcckhalten, doch ich ging einfach weg.<\/p>\n<p>Feldwebel B stimmte vorweg zu, und unser Chef sagte nach meiner Meldung und nach R\u00fcckfragen: \u201cEinverstanden, Sie melden sich in der Gruppe des Obergefreiten B und \u00fcbernehmen dort das 2. Gewehr\u201d! Bis zum Abend hatte ich Zeit, mich in die ne\u00fc Gemeinschaft einzufinden.<\/p>\n<p>Dann kam nach Einbruch der Dunkelheit der Befehl: \u201cGruppe B mit 2 SMG, dazu eine Granatwerfergruppe mit 2 schweren Werfern mit doppeltem Munitionsvorrat ausr\u00fcsten und zum Abmarsch fertigmachen!\u201d Kurz darauf standen 2 Kettenfahrzeuge einer Luftwaffenfeldkompanie bereit, nahmen uns mit allem Gep \u00e4ck auf und fuhren dann mit uns rund 50 km nach Norden durch Schlamm und Dreck. Was das werden sollte, war nicht bekannt, doch wir fanden es nat\u00fcrlich gut, nach den Erfahrungen der letzten Nacht nun so komfortabel zu reisen. Die Raupenschlepper rutschten und schlingerten, qu \u00e4lten sich aber&nbsp;durch den tiefen Schlamm, ohne zum Stand zu kommen.<\/p>\n<p>Als es morgens fr\u00fch hell wurde, hatten wir Marinskoje am westlichen Dnjeprknie erreicht, Ziel unserer Nachtfahrt. Hier nahm uns ein Offizier der 17. ID in Empfang und gab uns die n\u00f6tigen Informationen zur Lage und danach den Einsatzbefehl.<\/p>\n<p>Was war geschehen? Vorweg ein kleiner R\u00fcckblick. Die Russen hatten nach ihrem Sieg bei Stalingrad und ihrem Vorstoss \u00fcber den Don w \u00e4hrend des ganzen Jahres 1943 die deutsche Armee immer weiter gen Westen gedr\u00fcckt. Der Kaukasus wurde wiedergewonnen, das Gebiet am Asowschen Meer, das Donezbecken und schliesslich das gesamt Gebiet \u00f6stlich des Dnjepr, mit Ausnahme zweier Br\u00fcckenk\u00f6pfe am Unterlauf des Stromes. Und im Vormarsch nach Westen war der mittlere Dnjepr selbst an vielen Stellen \u00fcberwunden worden, um s\u00fcdlich des Flusses gesicherte Br\u00fcckenk\u00f6pfe f\u00fcr weitere Offensiven zu schaffen. Ziel: die Befreiung der gesamten Ukraine. Damit bestand grosse Gefahr f\u00fcr die weit \u00f6stlich stehenden deutschen Verb \u00e4nde, abgeschnitten und eingekesselt zu werden. Besonders gef \u00e4hrdet war die 6. Armee, die bis zum Schwarzen Meer die Stellungen hielt. Im Januar 1944 erfolgte nun also solch ein Versuch. Die russischen Truppen \u2028stiessen bei Kriwoi Rog aus einem der Br\u00fcckenk\u00f6pfe Richtung Westen vor und versuchten bis an den Bug zu gelangen. Wir w \u00e4ren also zwischen Dnjepr und Bug eingeschlossen. Gelang der Vorstoss nicht, sollte er bis ans westliche Dnjeprknie bei Marinskoje gehen. In der Folge w \u00e4re das Gebiet \u00f6stlich davon eingekesselt und Nikopol verloren.<\/p>\n<p>Die Situation an unserem Standort sah wie folgt aus: Die durchgebrochenen feindlichen Truppen vom Strom bei Marinskoje fernhalten, damit die Verb \u00e4nde \u00f6stlich davon, einschliesslich die im noch nicht ger \u00e4umten Nordteil des Br\u00fcckenkopfes Nikopol, einen Ausweg nach Westen behielten. Der Befehl lautete: Beide Gruppen der 9. ID, heute morgen angekommen, werden an der Rollbahn weiter nordwestlich Stellung beziehen, um den durchgebrochenen Gegner, der im freien Raum operiert, aufzuhalten, bis die zu Fuss nachger\u00fcckten Teile der 9. ID dann in diesem Abschnitt eintreffen und den Feind stoppen k\u00f6nnten. \u201cEs muss kein Himmelfahrtskommando sein\u201d, so hiess es, \u201cdenn vielleicht kommen die feindlichen Truppen gar nicht so schnell heran!\u201d Anschliessend wartete ein Einweisungskommando der 17. ID auf uns und f\u00fchrte uns ins offene Gel \u00e4nde Richtung Apostolowo. Nach gut zwei Stunden unter der Last unserer Waffen, der Munition, der Verpflegung und des Gep \u00e4cks auf der relativ trockenen Rollbahn erreichten wir zwei H\u00fcgel beiderseits des in letzter Zeit kaum benutzten Weges. Das waren sogenannte Goten- oder Skythengr \u00e4ber. Von diesen aus hatte man einen weiten und vor allem freien Blick \u00fcber das wellige ukainische Land. Diese markanten Punkte im Gel \u00e4nde wurden uns als Stellungen zugewiesen. Wir fanden infanteristisch angelegte Stellungen vor, die nur erweitert werden mussten. Zuletzt hiess es noch, diese Stellungen zu halten, bis das Bataillon nachger\u00fcckt w \u00e4re; das sollte in zwei Tagen sein. Nachschub an Munition wurde uns zugesagt. Anschliessend blieben wir allein zur\u00fcck, knapp 20 Soldaten mit einer Bewaffnung, die eine grosse Fe\u00fcrkraft bedeutete. Im Laufe des Nachmittags waren unsere Stellungen vertieft, erweitert und getarnt. Vor uns auf der H\u00f6he lag ein Dorf in etwa 2,5 km Entfernung. Hinter uns in einem Abstand von 300 m eine f\u00fcr die Ukraine typische Heckenreihe, das Strauchwerk bis zu 3 m hoch, der Streifen 8 \u2013 10 m breit. Hier hatten die Granatwerfer ihre Stellungen bezogen. Auff \u00e4llig im Gel \u00e4nde zur Rechten zwei Lastwagen, die gut einen Kilometer von uns entfernt standen. Ich wollte wissen, was das zu bedeuten hatte, sprach mich mit dem Gruppenf\u00fchrer Becker ab, nahm einen seiner M \u00e4nner mit und machte mich auf den Weg. Beide Lastwagen trugen das Kennzeichen der OT (Organisation Todt, Ba\u00fcinheiten, wie sie f\u00fcr die Wehrmacht auch im besetzten Gebiet t \u00e4tig waren) und steckten bis zu den Achsen im Schlamm. Fussspuren verliefen Richtung Dorf. Wir reimten uns zusammen, dass Fahrer und Beifahrer auf der Flucht vor den sowjetischen Truppen q\u00fcrfeldein das Weite gesucht hatten, bis sie bei immer grundloser werdendem Boden aussteigen mussten, um sich zu Fuss in Sicherheit zu&nbsp;bringen.<\/p>\n<p>Was hatten sie transportiert und zur\u00fcckkelassen? Wir glaubten, unseren Augen nicht zu tra\u00fcn: eine halbe Wohnungseinrichtung, Radioapparate, Kleidung, Bettdecken und Kissen und Lebensmittel in Mengen, Leberw\u00fcrste, Mettw\u00fcrste, zwei ganze Schinken, Brotlaibe, K \u00e4se und Butter in grossen Bl\u00f6cken, dazu Schnaps und Wein, Schokolade und Kartons voller Zigaretten. Ein Geschenk des Himmels f\u00fcr uns, die wir allein waren! Das alles w\u00fcrde den feindlichen Truppen in die H \u00e4nde fallen, wenn sie vorr\u00fcckten. Also mitnehmen, was wir tragen konnten! Unsere Kameraden staunten nicht schlecht, als sie unsere mitgebrachten Sch \u00e4tze begutachteten und unseren Bericht h\u00f6rten. Vor Einbruch der Dunkelheit schleppte eine zweite Gruppe noch einmal heran, was sie tragen konnte, und alles wurde in unseren Stellungen untergebracht. In einem rasch hergestellten \u201cErker\u201d meines Panzerdeckungsloches hingen zwei Da\u00fcrw\u00fcrste feinster Sorte, meine Gasmaskenb\u00fcchse war voll mit Zigaretten, in einer Vertiefung der MG Stellung lag ein Block Butter, alle Taschen waren mit S\u00fcssigkeiten und Schokolade gef\u00fcllt und f\u00fcrmeinem Schlafplatz hatte ich mir ein richtiges Federkissen gesichert, allerding ohne Bezug. Eine Stimmung wie Weihnachten! Nur der Schnaps war im Laster geblieben. Ich schlief in dieser Nacht trotz der K\u00e4lte in meinem Erdloch, das mit einer Zeltplane abgedeckt war, wie ein Murmeltier.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/zeichn-front.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1418\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/zeichn-front.jpg?resize=640%2C951\" alt=\"zeichn.Front\" width=\"640\" height=\"951\" \/><\/a><\/p>\n<p>Having survived the last year of the 2nd World War in Russia, my father had found his life motto: \u201cNever give up\u201d!<br \/>On Monday 6th of March 2000 we all met in the Christus Church in Kiel \u2013 Kronshagen, Germany.<br \/>The pastor gave my mother and me the script of his sermon after the ceremony.<br \/>This original script I have here in front of me, and I quote the first few sentences:<\/p>\n<p><em>\u201cJohann Detlef Bloecker stellte sich dem Leben aufrecht, entschieden, bisweilen auch k\u00e4mpferisch \u2013 er war ein engagierter Gestalter seiner Lebenswelt, in Familie und Beruf. Und er nutze seine vielen p\u00e4dagogischen Gaben \u2013 f\u00fcr andere!\u201d<\/em><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Copyright: Peter H Bloecker in May 2014 \/ Burleigh Waters, QLD, Australia<\/p>\n<p>Photos: My father JDB in his garden and with my mother Annita in Australia.<\/p>\n<p>Credit: Text JDB and <a href=\"https:\/\/peblogger.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">phb<\/a> &#8211; Last update in 2022.<\/p>\n<p style=\"color: #393939;\">In memory of&nbsp;<a title=\"Jonny Be Good\" href=\"http:\/\/phbloecker.wordpress.com\/2013\/02\/28\/vater-jdb\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">my father JDB<\/a><\/p>\n<p style=\"color: #393939; text-align: center;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-679 size-full\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2013\/03\/jdbloecker.jpg?resize=650%2C444\" alt=\"JDBloecker\" width=\"650\" height=\"444\" \/><\/p>\n<p style=\"color: #393939; text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/eltern-in-bne-copy.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-889\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2014\/05\/eltern-in-bne-copy.jpg?resize=650%2C433\" alt=\"Eltern in BNE copy\" width=\"650\" height=\"433\" \/><\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<div data-carousel-extra='{&quot;blog_id&quot;:1,&quot;permalink&quot;:&quot;https:\/\/bloeckerblog.com\/index.php\/my-father-jdb\/&quot;}' id='gallery-1' class='gallery galleryid-31962 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/bloeckerblog.com\/index.php\/my-father-jdb\/in-memoriam-jdb\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/in-memoriam-jdb-scaled.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1\" class=\"attachment-thumbnail 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by <a href=\"https:\/\/peblogger.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">phb<\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p>Im Memory of My Father JDB &#8211; Post from my WordPress Blog added on30 Mar 2022.<\/p>\n<p><em><strong>In memory of my beloved father Johann Detlef Bloecker, who was<\/strong><\/em><br \/><em> <strong> born 23. SEPTEMBER 1924 &#8211; and died 29. February 2000.<br \/><\/strong><\/em><br \/>Three months before his death my father and my mother left Brisbane, where&nbsp;they both&nbsp;had visited my first wife and myself. We were working then for <a title=\"Early childhood in QLD\" href=\"http:\/\/deta.qld.gov.au\/earlychildhood\/?247SEM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EDUCATION QUEENSLAND<\/a> as <a title=\"Education Queensland, Brisbane, Mary Street\" href=\"http:\/\/education.qld.gov.au\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">German Language Advisers<\/a>. My father had been seriously ill the years before and certainly knew he would soon die of leucemia. He had flown together with my dear mother to Australia to visit us and to say good bye to us. Being with us in Brisbane for some weeks, my parents went to Noosa by bus, swimming every morning and afternoon in the ocean. One week we took off to be together with them in Byron Bay and showed them the most beautiful Hinterland of Queensland and New South Wales. As the son of a North German farmer he enjoyed every minute of his visit with my mother.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2013\/03\/collage-aus.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-707 aligncenter\" src=\"http:\/\/phbloecker.files.wordpress.com\/2013\/03\/collage-aus.jpg?w=300&#038;resize=389%2C289\" alt=\"Collage.Australien\" width=\"389\" height=\"289\" \/><\/a><\/p>\n<p>Having survived the last year of the 2nd World War in Russia, my father had found his life motto: &#8220;Never give up&#8221;!<br \/>On Monday 6th of March 2000 we all met in the Christus Church in Kiel &#8211; Kronshagen, Germany.<br \/>The pastor gave my mother and me the script of his sermon after the ceremony.<br \/>This original script I have here in front of me, and I quote the first few sentences:<\/p>\n<p><em>&#8220;Johann Detlef Bloecker stellte sich dem Leben aufrecht, entschieden, bisweilen k\u00e4mpferisch &#8211; er war ein engagierter Gestalter seiner Lebenswelt, in Familie und Beruf. Und er nutzte seine vielen p\u00e4dagogischen Gaben &#8211; f\u00fcr andere!&#8221;<\/em><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"1021\" data-attachment-id=\"32505\" data-permalink=\"https:\/\/bloeckerblog.com\/index.php\/my-father-jdb\/jens-3\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/bloeckerblog.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Jens.jpg?fit=652%2C1024&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"652,1024\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Jens\" data-image-description=\"\" 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Teacher at the DHPS Windhoek, Namibia, from 1988-2004. Living at the Gold Coast in QLD Australia with Casa Da Vovo Burleigh (FB). German Language Adviser of the Goethe-Institut Sydney (1998 - 2005) Office in Brisbane, Education QUEENSLAND. Coordinator and Director of Studies at Fritz Reuter Gymnasium, Dannenberg (River Elbe) from 2005 - 2012. (ATZ) Active Blogger and Digital Nomad. 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